Urlaubsspaß auf Kosten des Klimas?

22.09.2014 in Reisen

Kürzer, weiter, öfter – sieht Urlaub auch 2050 noch so aus? Werden wir dann immer noch zu Billigpreisen kreuz und quer durch die Welt jetten? Und wird ein großer Teil von uns immer noch im Auto Richtung Urlaub rauschen?

Vergleich der emissionen einzelner Verkehrsträger im Personenverkehr, 2010

Wir Deutschen reisen heute mehr als je zuvor. Im Trend liegen vor allem Kurztrips. 2013 wurden knapp 76 Millionen Kurzreisen unternommen. Hinzu kamen 71 Millionen Reisen von 5 Tagen und mehr.(1)
 
Aber natürlich sind wir nicht die einzigen, die munter durch die Weltgeschichte tingeln und so kommt für das Klima einiges zusammen. Weltweit betrachtet, verursacht der Tourismus mit rund 1300 Millionen Tonnen CO2 rund fünf Prozent aller Treibhausgasemissionen. 75 Prozent dieser Emissionen entstehen allein durch die Nutzung von Verkehrsmitteln. Flieger und Autos sind dabei die größten Emissionsschleudern und gleichzeitig leider auch die mit deutlichem Abstand am häufigsten genutzten Reiseverkehrsmittel. Ein Flugzeug emittiert mit 230g CO2-Äquivalenten pro zurückgelegtem Personenkilometer rund fünf mal mehr CO2-Emissionen als die Bahn (45,2g), ca. 7 mal mehr als ein Reisebus (30,3g) und mehr als doppelt so viel wie ein Auto (142,3g). Aufgrund der ansteigenden Flugzahlen, haben sich zwischen 1990 und 2011 die CO2-Emissionen des Luftverkehrs mehr als verdoppelt.  

Reisebusse © Andreas Hermsdorf/pixelio.de
Reisebusse © Andreas Hermsdorf/pixelio.

Diese Entwicklung ist für den Klimaschutz extrem kritisch. Mit dieser Art Tourismus vernichten wir genau die Naturschönheiten, für die es sich zu reisen lohnt. Der voranschreitende Klimawandel droht Meeresspiegel ansteigen und Urlaubsparadiese untergehen zu lassen. Auch Wintersportorte haben schon heute damit zu kämpfen, dass der Schneefall abnimmt.
Was können wir tun um die klimaschädlichen Auswirkungen des Tourismus zu vermindern?
Ansatzpunkte gibt es viele – bei uns selbst, bei den Mobilitäts- und Tourismusanbietern und in der Politik. So könnten wir z.B. unsere Urlaubsziele überdenken. Muss es für einen Kurzurlaub wirklich ein Fernziel sein? Kürzere Strecken können auch ohne Flieger zurückgelegt werden, denn viele schöne Ziele in Deutschland und Europa lassen schon auch bequem per Bus oder Bahn erreichen. Tourismusanbieter können z.B. die ökologische Anreise fördern, indem sie Gäste dafür mit Rabatten „belohnen“. Und last but not least, ist auch die Politik gefordert, z.B. hinsichtlich Kerosinbesteuerung und Nachbesserungen der Luftverkehrssteuer Wettbewerbsgleichheit herzustellen und die Minimierung der touristischen Treibhausgasemissionen zu bewirken.

Mehr Informationen:

Quellen:
1) FUR: Reiseanalyse 2014, www.fur.de/fileadmin/user_upload/RA_Zentrale_Ergebnisse/RA2014_ErsteErgebnisse_DE.PDF Umweltbundesamt (2012):
2) Daten zum Verkehr. www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/4364.pdf, S. 32
 3) VCD et. al. (2014): Klimafreundlicher Verkehr in Deutschland . Weichenstellungen bis 2050. S. 12

Teilen, vernetzen und aktiv bewegen, ist das der Stadtverkehr der Zukunft?

22.09.2014 in Stadt und Verkehr

Miteinander kommunizierende Autos, schwebende Busse und Bahnen, Smartphones als private Mobilitätsmanager und viel Raum für Fußgänger und Radfahrer. Wird so die Zukunft unserer urbanen Mobilität aussehen?

Faktoren wie Urbanisierung, Klimawandel, technischer Fortschritt, Demographie und unser Wunsch in lebenswerten Gegenden zu wohnen, werden auf jeden Fall unsere Städte und die Art und Weise wie wir in ihnen unterwegs sind maßgeblich verändern.   

Bereits heute wohnt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, 2050 werden es voraussichtlich mehr als zwei Drittel sein. Also über sechs Milliarden Menschen, die in urbanen Räumen mobil seien wollen und müssen. Um hier Verkehrsinfarkte zu verhindern und Lebensqualität und Klimaschutz sicherzustellen, müssen Städte neu gedacht werden. Die autogerechte Stadt ist ein Modell der Vergangenheit. (1) Aber geht es komplett autofrei? Es kommt auf eine intelligente Kombination verschiedener Verkehrsmittel bzw. Mobilitätsangebote (wie z.B. Fahrradverleihsysteme, Carsharing, Bus und Bahn) und ein gleichberechtigtes Nebeneinander der Verkehrsteilnehmer an.

Diese Gleichberechtigung greift beispielsweise das in den 1990iger Jahren in den Niederlanden entwickelte Konzept »Shared Space« auf. Durch die Aufhebung der getrennten Spuren für Auto, Rad und Fußverkehr wird die gegenseitige Rücksichtnahme gefördert, denn die Auflösung der damit verbunden Rechte, führt zu subjektiver Verunsicherung und damit zu mehr Achtsamkeit und langsameren Geschwindigkeiten. Shared Spaces funktionieren jedoch nur dort, wo sich viele Menschen aufhalten und auch mutig genug sind, sich den Raum zurückzuerobern. Dann wird die Straße zum Raum. Auch in Deutschland hält das Shared-Space-Prinzip in immer mehr Kommunen Einzug in die Stadtgestaltung.

Für einen nachhaltigen Stadtverkehr brauchen wir vor allem lebendige Stadtviertel, denn nur so lässt sich das Leitbild der „Stadt der kurzen Wege“ verwirklichen. Nur wenn Arbeiten, Einkaufen, Lernen, Freizeit, Spielen und Relaxen sich gut mixen können diese alltäglichen Aufgaben in kurzer Zeit und ohne Auto bewältigt werden. (2) 
Die Umsetzung solcher Konzepte braucht eine starke Lobby und kreative Ideen. Was sind deine Ideen für die Rückeroberung der Städte? Diskutier mit in einer unserer Themengruppen im Bereich Gesellschaft oder schreib uns deine Idee für eine Aktion!

Quellen:

1) www.zeit.de/zeit-wissen/2012/06/Stadt-Mobilitaet 
2) UBA (2011):Leitkonzept – Stadt und Region der kurzen Wege. Gutachten im Kontext der Biodiversitätsstrategie, S. 5

Zukunft auf zwei Rädern!

17.09.2014 in Fahrrad

Wird der Radverkehrsanteil in urbanen Räumen den Anteil des motorisierten Individualverkehrs im Jahr 2050 überholt haben? Wie viel Platz wird Radfahrern im Straßenverkehr eingeräumt werden und wie sicher können sich Radfahrer Mitte des 21. Jahrhunderts als Verkehrsteilnehmer fühlen?

Lastenrad © klarageist

Radl liegt voll im Trend. der Fahrradanteil an allen zurückgelegten Wegen hat sich zwischen 2008 und 2012 von 10% auf 13,7% erhöht Tendenz weiter steigend. (1) Vor allem in Städten und in Kombination mit anderen Mobilitätsangeboten erlebt das Fahrrad eine Renaissance. Diese Verlagerung wirkt sich gleich mehrfach positiv aus: das Plus an Bewegung hält Radelnden fit und die Verringerung der Schadstoffe, wenn Autofahrten durch´s Rad ersetzt werden, kommt auch der Gesundheit der anderen Verkehrsteilnehmer zu Gute. Radfahren spart Platz und reduziert den Lärm, das hebt die Lebensqualität in den Städten und mit Null CO2 hat auch das Klima etwas davon. E- und Lastenräder eröffnen zudem neue und schnellere Transportoptionen, erweitern so den Aktionsradius des Fahrrads und vergrößern damit dessen Verlagerungspotential.

Bike sharing © CFalk/pixelio.de

Die Bundesregierung hat den Handlungsbedarf erkannt und verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht, die im Nationalen Radverkehrsplan gebündelt werden. Dazu gehört z.B. die finanzielle Förderung des Radverkehrs etwa für den Ausbau von Radwegen an Bundesstraßen, die Optimierung des rechtlichen Rahmens, die Durchführung von Imagekampagnen und das Anschieben von (Forschungs-) Projekten. Das reicht aber bei weitem noch nicht aus. (2)

Die Radverkehrsförderung vor Ort liegt vor allem bei den Kommunen und hier sieht es von Ort zu Ort noch sehr unterschiedlich aus. In Städten wie Münster herrschen fast niederländische Verhältnisse während der Radverkehrsanteil in Städten wie Chemnitz, Gera und Wuppertal 2008 noch nicht mal bei fünf Prozent lag.

Um in den bislang wenig fahrradfreundlichen Gegenden eine neue Begeisterung für das Zweirad zu entfachen, die vorhandenen positiven Tendenzen zu stärken und insgesamt einen europäischen Spitzenplatz bei der Radverkehrsnutzung einzunehmen, fordert der VCD weitere Anstrengungen in der Fahrradpolitik wie z.B.: Verdoppelung der Bundesmittel zur Radverkehrsförderung und die Erhöhung der kommunalen Mittel mit dem Ziel, jährlich insgesamt 25 € pro Kopf in Deutschland für den Fahrradverkehr aufzuwenden. Außerdem muss der Radverkehr stärker in der Stadt- und Verkehrsplanung berücksichtigt werden.
Diskutier mit über neue Ideen für eine fahrradfreundliche Stadt in einer unserer Community-Gruppen im Themenfeld Gestaltung!

Mehr zum Thema findest du hier:

 

 

Quellen:
1) VCD et. al.: Klimafreundlicher Verkehr in Deutschland. Weichenstellungen bis 2050. (2014), S. 18-19
2) Städtecheck Fahrradsicherheit

Bildnachweise:
Lastenrad © klarageist; Bike sharing © CFalk/pixelio.de

Hat das Auto eine Zukunft?

17.09.2014 in Auto

Strom, fossile Kraftstoffe oder Wasserstoff - was wird 2050 unsere Autos antreiben und welche Rolle wird das eigene Auto noch für dich spielen? Einige Entwicklungen zeichnen sich schon ab. Erdgasfahrzeuge und Hybride rollen schon seit Jahren über unsere Straßen und mit dem nötigen Kleingeld kannst du dir auch heute schon ein Elektroauto zulegen, oder noch besser mit anderen teilen. Denn seit einigen Jahren entdecken immer mehr Leute das „Autoteilen“ für sich. Mehr als 750.000 Fahrberechtigte setzen mittlerweile auf das Prinzip „Nutzen statt Besitzen“ auf deutschen Straßen. (1) Diese Entwicklung geht in die richtige Richtung. Dennoch gibt es derzeit 43,9 Millionen (2) Pkw in Deutschland, die pro Kilometer durchschnittlich 181 Gramm (3) CO2 emittieren. In den letzten Jahren wurden unsere Autos immer luxuriöser, stärker, schneller und schwerer. Damit wurde ein großer Teil der Fortschritte bei der Antriebstechnologie wieder aufgebraucht. Wenn wir unser Fahr- und Kaufverhalten nicht ändern, werden noch im Jahr 2020 99 Prozent aller zugelassenen Pkw einen Verbrennungsmotor haben.

Lupo im Gras ©PhilPaul/photocase.com
Lupo im Gras ©PhilPaul/photocase.com

Um unser Klima zu schützen und unsere Städte lebenswerter zu machen, müssen wir handeln. Die Autoindustrie muss die Energieeffizienz ihre Produkte verbessern und den CO2-Ausstoß nachhaltig senken.
Wir als Verbraucher haben die Wahl - wir können uns für energieeffiziente Autos entscheiden, wir können teilen statt kaufen oder durch eine intelligente Kombination von Bus, Bahn, Fahrrad, Auto und zu Fuß laufen, das Beste für uns und unsere Umwelt herausholen. Aber auch die Politik ist gefragt. Die festgelegten CO2-Grenzwerte und die Ausrichtung der Kfz-Steuer an CO2 und Hubraum sind aus Klimaschutzgründen nicht optimal. Auch der weitere Ausbau der Straßeninfrastruktur, die einen Zuwachs des LKW und PKW-Verkehrs fördert, muss auf den Prüfstand. Welchen Anteil sollte das Auto in Zukunft haben? Diskutier mit in unserer Gruppe „Verkehrsende“.

Quellen:
1 Bundesverband CarSharing (2014): Datenblatt CarSharing in Deutschland
2 Kraftfahrt-Bundesamt (2014): Jahresbilanz des Fahrzeugbestandes am 1. Januar 2014

2050: Überall hin mit Bus und Tram?

17.09.2014 in ÖV

Keine überfüllten Busse und Bahnen, kundenfreundliche Taktzeiten, alle relevanten Orte bequem erreichbar durch ein perfektes Zusammenspiel von Bussen, Bahnen, Fahrradleihsystemen und Carsharing  – nur ein Traum oder Realität in 2050?

Tramhaltestelle ©Stephan Anemueller

Für viele von uns ist der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) aufgrund fehlender Verbindungen nicht problemlos nutzbar oder einfach zu unattraktiv. Bus, Bahn und Co., werden so nur auf ca. neun Prozent der Wege in Deutschland genutzt. (1)
Dabei ist die Lebensqualität in unseren Städten und auf dem Land eng mit der Qualität des ÖPNV verbunden. Je mehr Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem Auto zurückgelegt werden, desto sicherer wird es auf den Straßen, die Belastung durch Luftschadstoffe wie z.B. Feinstaub oder Stickoxide sinkt und es wäre um einiges ruhiger. Doch nicht nur wir, sondern vor allem unser Klima würde davon profitieren. Denn nach wie vor ist das Nutzen der öffentlichen Verkehrsmittel nur halb so klimaschädlich, wie die Fahrt mit dem Auto. (2) Insgesamt werden durch die Nutzung von Bussen und Bahnen bundesweit ca. 15 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. (3) Aber das Potenzial wäre viel größer.

Bike sharing ©Gabi Eder/pixelio.de

Doch wie kommen wir dem Ziel eines attraktiven und gut ausgebauten ÖPNVs näher? Wie kriegen wir mehr Menschen dazu auf öffentliche Mobilitätsangebote umzusteigen? Bus und Bahn allein werden den individuellen Mobilitätsbedürfnissen der heutigen Zeit nicht umfassend gerecht. Das klassische ÖPNV-Konzept sollte deshalb auf ergänzende Angebote ausgedehnt werden, so dass euch als  Kunden ein umfassender Mobilitätverbund von Bussen, Bahnen, Fahrradverleihsystemen, Carsharing und anderen Mobilitätsangeboten zur Verfügung steht aus dem ihr euch den optimalen Mobilitätsmix zusammenstellen könnt. (4)

Was sind eure Wünsche und Ideen an einen guten Nahverkehr. Diskutiert mit in der Gruppe gemeinsam.weg(e).gehen.

Wesentliche Voraussetzung für einen guten Nahverkehr ist natürlich auch eine ausreichende und langfristig gesicherte Finanzierung. Bund und Länder müssen sich auf ein ganzheitliches Finanzierungskonzept verständigen, das nicht nur Mittel zur Sicherung des Status quo bereitstellt sondern auch eine Weiterentwicklung des ÖPNV ermöglicht. Die sich gerade in der Revision befindlichen Regionalisierungsmittel bzw. die in wenigen Jahren auslaufenden GVFG-/Entflechtungsmittel brauchen entsprechende Anschlussregelungen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass auch der Autoverkehr einen hohen Investitionsbedarf hat. Eine Studie des VCD zeigt auf, dass sich der Nahverkehr zu rund 70 Prozent selbst finanziert, während der Kostendeckungsgrad des Autoverkehrs je nach Kommune lediglich bei 15 bis 47 Prozent liegt. (5)

Weiter Informationen gibt es hier:

Grafik: http://www.vcd.org/verkehrsmittel-vergleich.html#c2562

Quellen:
1) http://www.mobilitaet-in-deutschland.de /pdf/MiD2008_Abschlussbericht_I.pdf (Zugriff 29.9.2014)
2) Öko-Institut e.V.: http://www.oeko.de/forschung-beratung/themen/nachhaltiger-verkehr/oepnv/ (Zugriff: 03.09.2014)
3) VDV: http://www.vdv.de/statistik-personenverkehr.aspx Zugriff: 03.09.2014)
4) VDV (2013): Der ÖPNV: Rückgrat und Motor eines zukunftsorientierten Mobilitätsverbundes
5) VCD/ICLEI 2005: (Zugriff 29.9.2014)

Bildnachweise:
Tramhaltestelle ©Stephan Anemueller, Bike sharing ©Gabi Eder/pixelio.de

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